Pressetext
Inmitten des Lärms und Stroms unseres Alltags lädt dieses Buch dazu ein, still zu werden – und dort anzukommen, wo das Leben wirklich geschieht: im Atmen, Gehen, Hören, in der stillen Begegnung mit uns selbst und anderen.
Margrit Irgang zeigt, dass spirituelles Erwachen nichts Esoterisches ist, sondern mitten im Leben geschieht. Mit poetischer Klarheit verbindet sie östliche Weisheit mit westlicher Lebenspraxis und öffnet Räume für Stille, unmittelbares Erkennen und Vertrauen in das, was ist.
Ein kraftvolles Buch für Menschen, die nach Tiefe in einer lauten Welt suchen – und die erfahren möchten, dass innerer Frieden in jedem Augenblick zu finden ist.
Leseprobe
Wir hören die Nachrichten und sind verstört. Was ist das für eine Zeit, in der wir leben? Das Klima verändert sich drastisch, die Gletscher schmelzen, Flüsse treten über die Ufer. Eine Pandemie hatten wir gerade notdürftig überlebt, als Kriege in unserer Nähe ausbrachen. Immer mehr Flüchtlinge bitten bei uns um Asyl, aber fühlen wir uns nicht selbst fremd in dieser unbegreiflichen Gegenwart, ausgesetzt einem Geschehen, das wir nicht kontrollieren können? Suchen wir nicht alle im Grunde Asyl – einen Ort, an dem wir Zuflucht nehmen können vor den Bedrohungen, einen schützenden, bergenden Ort, an dem wir aufatmen und zu uns kommen können?
Es gibt diesen Ort. Aber er ist nicht dort, wo wir ihn suchen.
Um ihn zu finden, müssen wir für eine Weile die Nachrichten ausschalten, die Zeitungen weglegen und uns von den Bildern zerbombter Städte und brennender Häuser fernhalten. Das sei egoistisch, sagen Sie? Man müsse doch auf dem Laufenden bleiben, informiert sein über das Weltgeschehen, Anteil nehmen? Aber wir sind doch schon längst nicht mehr fähig, Ereignisse mitzufühlen, die auf Grund ihrer schieren Größe unser Vorstellungsvermögen überfordern. Wir schaffen es nicht mehr, wirklich betroffen zu sein beim Anblick weinender Menschen, die durch die Trümmer ihrer Häuser stolpern auf der Suche nach Angehörigen, bei den Fernsehbildern von einem weiteren Tornado, einer weiteren großen Flut.
Schalten Sie aus. Schalten Sie ab. Wie gesagt: Es ist nur für eine kleine Weile. Sie werden sich irgendwann – nach einem Monat, einer Woche, einem Tag oder, wenn Sie geübt sind, sogar nach zehn Minuten - wieder in das Geschehen einklinken, aber als ein anderer, neuer Mensch. Als eine Person, die auf äußere Umstände nicht mehr panisch oder abgestumpft reagiert, sondern in heilsamer und weiser Art antwortet. Weil sie den Ort gefunden hat, an dem sie immer wieder Zuflucht suchen und sich immer wieder neu ausrichten kann – in Richtung Mitgefühl, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Großzügigkeit.
Der Ort ist in Ihnen selbst.
Von Kindheit an hat man uns die falsche Sicht auf uns selbst beigebracht. Wir sind nicht die, die wir zu sein glauben. Wir sind nicht nur diese bestimmte Person mit einem Namen, einer Adresse, einem Beruf und einer Lebensgeschichte, die wir uns selbst und anderen erzählen. Wir sind viel mehr. Dieses Mehr hat im Lauf der Jahrtausende zahlreiche Namen bekommen, obwohl kein Name es je erfassen kann. Es wird die Quelle allen Seins genannt, der Ursprung, das grundlegende Bewusstsein, das Wahre Selbst, das Bewusstseinsfeld und – der Name aller Namen – Gott. Dieser unsichtbare Teil von uns ist größer als der sichtbare; er möchte sich bemerkbar machen, er möchte sich ausdrücken durch die Person, die wir sind.
